Vortrag von Anton Mayr:

 "Die verschwundenen großen Höfe"
 
 Über die Anwesen in Untermauerbach berichtete Heimatforscher Anton Mayr in einem
 Vortrag mit Bildern vor dem Geschichtsstammtisch des Heimatvereins Aichach im
 Gasthaus Specht.
 Vor mehreren Jahren hatte er bereits über die Anwesen in Obermauerbach berichtet,
 damals im  Sportheim Mauerbach mit 100 Teilnehmern. Beide Vorträge dienten zur
 Einstimmung und Vorbereitung auf ein Heimatbuch über die Gemeinde Obermauerbach,
 das im kommenden Jahr erscheinen soll.

 Der Referent berichtete anfangs über die großen Bauernhöfe, die in Untermauerbach
 untergegangen  sind. So gab es in Untermauerbach einmal den Steffelbauernhof mit
 230 Tagwerk Grund, der vor über hundert Jahren erloschen ist. Der Steffelbauernhof
 auf dem Platz unmittelbar neben der Kirche war der zweitgrößte Hof der ehemaligen
 Gemeinde Obermauerbach nach dem Dumbsenhof in Obermauerbach.

 Untergegangen in Untermauerbach ist auch der Jägerbauernhof mit 113 Tagwerk.
 Ebenso gibt es den Martlbauernhof mit einst über 150 Tagwerk nicht mehr. Früher
 angesiedelt auf dem Platz östlich der  Kirche, wurde der Hof nach einem Brand zu Beginn
 des 19. Jahrhunderts weit nach Süden von Untermauerbach ausgesiedelt. Auch mehrere
 Häuser waren gebaut worden und sind wieder  verschwunden.

 Übrig geblieben von den einst großen Höfen sind die beiden Höfe Hiasbauer und
 Heißbauer in der Bergener Straße. Der Referent wies beim Anblick dieser beiden Höfe
 darauf hin, dass immer daran gedacht werden sollte, dass diese Höfe wie auch die
 anderen Bauernhöfe im Lande die Nahrungsmittel für die Bevölkerung herstellen.
 Untergegangen sind auch die Anwesen beim Braune  (ursprünglich richtig Broni, der
 Name stammt aus Ecknach) und beim Forster.

 Käufer auch aus weit entfernten Orten kamen einst nach Untermauerbach.
 So ließen sich auf dem Anwesen beim Schmalzer Käufer aus der Oettingen-
 Wallersteinschen Herrschaft und aus der Umgebung von Kaisheim im Donau-Ries nieder.
 Das Anwesen beim Maurer in der Hirschtränk kauften  zweimal Familien aus Erl in Tirol.
 Später kam ein Käufer aus dem heutigen Landkreis Rottal-Inn auf dieses Anwesen.

 Jeder Ort habe sein Charakteristikum, so der Referent. So viele Tauschvorgänge über
 einzelne  Anwesen wie in Untermauerbach habe er in anderen Orten noch nicht
 vorgefunden. Besonders die  Anwesen am heutigen Schmiedberg unterlagen im 19.
 Jahrhundert einem fast ununterbrochenen Änderungsprozess. Aufteilungen,
 Zusammenlegungen und erneute Aufteilungen waren an der Tagesordnung.
 Grundstückshändler waren hier am Werk.

 Zum Schluss seiner Ausführungen hatte der Referent noch die Auflösung eines bisher
 unbekannten Falles parat. Aktuell gibt es in Untermauerbach den Hof mit dem
 Hausnamen beim Talbauer. Früher gab es auch ein kleines Anwesen mit dem Namen
 beim Unterschmalzer im Unterschied zum Anwesen beim Schmalzer. Dieser Hausname
 Unterschmalzer ist untergegangen. Der Referent hatte nun herausgefunden, dass es sich
 beim heutigen Talbauernhof um das einstige Unterschmalzeranwesen handelte.
 Das Anwesen war im Jahr 1819 von den damaligen Eigentümern Hüttinger des
 Schmalzeranwesens gegründet worden und erhielt zur Unterscheidung vom weiterhin
 vorhandenen  Anwesen beim Schmalzer den Hausnamen beim Unterschmalzer.
 Im Laufe der Zeit kamen immer weitere Grundstücke zum Anwesen hinzu, insbesondere
 beim Verkauf des Steffelbauernhofes, sodass sich der Hof des Talbauern zur heutigen
 Größe entwickelte.

 (Quelle: Aichacher Nachrichten vom 30.10.2019)

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Eine Zukunft für die Vergangenheit