Vortrag von Dr. Anna-Maria Grillmaier

"Fleisch für die Stadt -
 Ochsenimporte nach Augsburg im 15. und 16. Jahrhundert"

Dr. Anna-Maria Grillmaier aus Ried bei Mering referierte beim Heimatverein über dieses
Thema und die rund 30 Besucher zeigten sich sehr interessiert am Thema dieser
Doktorarbeit, was die lebhafte  Diskussion am Ende bestätigte.
 

 

 Zum Bild:
 Ungarisches Grauvieh brachte
 die doppelte Fleischmenge im
 Vergleich zu den heimischen
 Rassen. Darum war es so heiß
 begehrt.

 Foto: Pixabay


In der Mitte des 15. Jahrhunderts war der Fleischbedarf für die auf 40 000 Einwohner
angewachsene Stadt Augsburg aus dem Umland nicht mehr zu decken. Bei einem
Rindfleischkonsum von 50 Kilo pro Jahr für die Bürger und die vielen im aufblühenden
Textilgewerbe tätigen Handwerker benötigten die  Metzger etwa 200 Ochsen in der
Woche und im Jahr an die 10 000 bei einer Fleischausbeute von 100 Kilo.

Die Bauern aus dem Umland hatten bis ins 19. Jahrhundert nur einen kleinen
Viehbestand, ihre Hauptaufgabe war die viel wichtigere Getreideproduktion auf dem
verfügbaren Ackerland. Eine der wenigen Gegenden für die Rindfleischproduktion in
Mitteleuropa waren die Weiten der ungarischen Tiefebene und das ungarische Grauvieh
brachte die doppelte Fleischmenge im Vergleich zu den heimischen Rassen.

Sehr bald erkannten die ungarischen Großgrundbesitzer, aber auch die Bauern ihre
Chance auf einen gewinnbringenden Absatzmarkt im Westen. Auf ausgewählten
Triebwegen, meist entlang der großen Flüsse wegen der Tränkmöglichkeiten, wurden Herden zu je 100 bis 150 Tieren zusammengestellt und nach Venedig, Augsburg, Nürnberg oder Mitteldeutschland getrieben.

Bis nach Linz, dem größten Ochsenmarkt, brachten die Ungarn die Herden, dort übernahmen sie die Augsburger und brachten sie vor die Tore der Stadt bei Hochzoll oder Lechhausen. Bezahlt wurden die Tiere zuerst durch Tausch mit Augsburger Textilwaren, später auf Wechselbasis durch Fernhändler, hinter denen die Augsburger Patrizier wie die Rehlinger, Thaller oder Fugger standen. Nach einem Weg von 1000 Kilometern mussten die Tiere vor dem Verkauf in der Meringer Au oder unterhalb von Scherneck wieder aufgefüttert werden.

Die Referentin konnte einzelnes aus der Region berichten. So war Altomünster eine für den Ochsentrieb wichtige Zollstelle des bayerischen Landesherrn. Eine langwierige Streiterei zwischen dem Wirt von Heretshausen, der am Ochsentrieb profitierte, und den Bauern von Ziegelbach, die den Durchtrieb unterbinden wollten, sowie einige Flurnamen wie Ochsenweg, Ochsenstraße, Ochsenkreuzweg oder Ochsenfeld machten den Sachverhalt interessant.

Von Franz Friedl

Quelle: Aichacher Zeitung vom 23. April 2019.

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Eine Zukunft für die Vergangenheit