Auch der mit Zinnen bewehrte Auerturm an der
Prieferstraße  war Teil der früheren Stadtmauer.
Bild: Anton Mayr

Vortrag von Fritz Baur

Siebenmal wurde Aichach erobert

Die Stadtgeschichte Aichach in kriegerischen Zeiten war Thema beim letzten Geschichts-stammtisch des Heimatvereins im Gasthaus Specht in diesem Jahr. Vereinsmitglied Fritz Baur berichtete über 500 Jahre Aichacher Kriegsgeschichte. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass die größten Belastungen für die Stadt nicht durch Kriegshandlungen, sondern vorrangig durch Belastungen aus Einquartierungen von Soldaten erfolgten.

Im Jahr 1376 wurde der schwäbische Städtebund gegründet, so Baur, der zu Kampf-handlungen gegen das Herzogtum Bayern aufrief. In deren Zusammenhang wurde Friedberg in Asche gelegt, Aichach blieb von Schäden verschont und diente als Sammelplatz des bayerischen Aufgebotes und für die Aufteilung der Beute und der Gefangenen. 1394 wurde Aichach zweimal erfolglos „berannt“, während Friedberg erobert werden konnte.

Ab 1420 kam es zum großen Bayerischen Krieg. Dazu wurde zur Sicherung der Grenze Kriegsmaterial von Neuburg nach Aichach gebracht. Sechs größere und 14 kleinere Kanonen, Salpeter, Schwefel, gemahlene Holzkohle und 5500 eiserne Pfeile wurden bereitgelegt. Herzog Ludwig der Bärtige von Ingolstadt, wozu Aichach damals gehörte, ließ die Verteidigungsanlagen Aichachs, das Untere Tor, den Köglturm und den 1937 abgerissenen Flunkturm verstärken. Aichach scheint laut Baur auch in diesem Krieg von Schäden verschont geblieben zu sein. Auch im Markgrafenkrieg ab 1460 sind keine Schäden bekannt.

Erst im Landshuter Erbfolgekrieg 1504 wurde Aichach besetzt. Im Bauernkrieg 1525 wurde der Pfleger von Aichach aufgefordert, seine „Raißwägen“ bereitzuhalten. Der Krieg ging an Bayern vorbei. Aber im Dreißigjährigen Krieg traf es Aichach hart. Unter anderem hatten die Schweden eine Bresche in die Stadtmauer geschossen, um die Stadt einnehmen zu können.

Eine Antwort auf die Frage des Referenten an die Zuhörer, wie oft denn Aichach von feindlichen Soldaten eingenommen worden sei, kam der Wirklichkeit ziemlich nahe. „Sechsmal“, lautete die Antwort. Siebenmal, sagte Baur, sei Aichach in diesem Krieg genommen, mehrmals geplündert und in Brand gesteckt worden. Anschließend sei Aichach wieder aufgebaut worden. Besonders das heutige Obere Tor habe dabei einen Anklang an die Bauten von Elias Holl in Augsburg gefunden.

Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde Aichach 1704 zunächst mit Kontributionen belegt, dennoch geplündert und niedergebrannt. Hatte das Aichacher Schloss im Dreißigjährigen Krieg noch überlebt, so wurde es dieses Mal zerstört. Die Einquartierungen in Aichach in den Napoleonischen Kriegen beliefen sich auf 18700 Offiziere, 194000 Gemeine und 95000 Pferde. 1866 hatte die Stadt Aichach ein 19-tägiges Standquartier zu ertragen, zusätzlich in drei Monaten für 4400 Mann und 3600 Pferde zu sorgen. Im Krieg 1870/71 wurden in Aichach Verwundete und Kranke im Krankenhaus und im Hilfslazarett in der unteren Mühle versorgt. Bei 2500 Einwohnern waren aus Aichach 59 Mann im Feld. Davon waren am Kriegsende vier gefallen und zwölf verwundet.

Vereinsvorsitzender Wolfgang Brandner ergänzte, dass die Stadt Aichach zweimal die Wahl gehabt hatte, Garnisonsstadt oder Gefängnisstadt zu werden. Die Stadt entschied sich für den Bau eines Gefängnisses. (AN)

Quelle: Aichacher Nachrichten vom 27.11.2019

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