Auszüge aus der Geschichte unseres Vereins:

 

Karl Leinfelder gründete 1950 den Heimatverein und führte ihn bis 1964

Nach dem Zweiten Weltkrieg rief Karl Leinfelder in Aichach eine Ortsgruppe des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege ins Leben. Am 12. Juni 1948 hatte sich hierzu eine kleine Gruppe von Interessierten zusammengefunden. So konnten am 15. April 1950 zahlreiche Zuhörer bei einem Heimatabend, dem Jahreslauf entsprechend, Leinfelders Erkenntnisse über eine Aichacher Karfreitagsprozession des 18. Jahrhunderts erfahren sowie Einblick nehmen in das „Bayrisch Stammenbuch von Wiguleus Hund“.

Schließlich ergriff er die Initiative zur Gründung eines Heimatvereins in Aichach und lud am Pfingstdienstag, dem 30. Mai 1950, die gesamte Bürgerschaft, Alt- und Neubürger, und auch die Vertreter sämtlicher Behörden ins Gasthaus „Zum Hofman“ ein. Leinfelder nahm in seinem Presseaufruf zur Vereinsgründung Bezug auf die im Jahre 1906 erfolgte Gründung des Heimatmuseums durch hiesige Mitglieder des historischen Vereins. Auch versuchte er eine Verbindung zu einem vor der Jahrhundertwende in Aichach von Pfarrer Konrad Danhauser gegründeten Historischen Verein herzustellen. Für diese Thesen gab es jedoch keinerlei Belege. Von den 51 Anwesenden traten bereits 41 am Gründungstag dem neuen Verein bei. Leinfelder wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt und ein Mitgliedsbeitrag von drei Mark im Jahr wurde festgesetzt. Zum zweiten Vorsitzenden wurde Wilhelm Zametzer gewählt. Als Schriftführer stellte sich Erhard Schaal zur Verfügung. Das Amt des Kassiers übernahm Hans Zapf. Zu Beisitzern wurden Paulus Glaswinkler, Ludwig Führer und Anna Beck bestimmt. Der Vorstandschaft gehörte auch der städtische Museumskustos Karl Demel an. Seine Dankesworte an den neuen Vorstand schloss Bürgermeister Wilhelm Wernseher mit der Hoffnung, dass sich der Plan, das Museum im Oberen Tor unterzubringen, bald verwirklichen ließe. Am 16. November 1951 wurde der Vereinsausschuss um Archivpfleger Oskar Rhein für das Aufgabengebiet der Flurnamenforschung und um Arthur Ständer, der fotografische Arbeiten übernehmen sollte, erweitert.

Sogleich nahm der Verein umfangreiche Aktivitäten auf und bot Vorträge und Fahrten an.

Bereits am 18. Juni 1950 besuchte der Heimatverein Friedberg die Nachbarstadt Aichach. Nach dem Empfang am Bahnhof waren der Besuch des Heimatmuseums und eine Wanderung nach Oberwittelsbach vorgesehen. Mit einem geselligen Abschluss im Müllerbräukeller klang die Begegnung der beiden Nachbarvereine aus. Im September desselben Jahres fuhr eine Gruppe des Aichacher Vereins zum Gegenbesuch nach Friedberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Menschen hungrig nach kultureller Unterhaltung. Daher wurden die Vorträge und Fahrten meist sehr gut angenommen und der Verein fand großen Zuspruch in der Aichacher Bevölkerung. Die erste heimatkundliche Fahrt des Vereins führte am 20. August 1950 32 Teilnehmer zur romanischen Basilika nach Ilmmünster und ins Kloster Scheyern. Beim ersten Vortrag des Vereins, den Staatsarchivrat Dr. Ludwig Friedrich Barthel vom Hauptstaatsarchiv München zum Thema „Alte und neue Wege zur Heimatkultur“ hielt, konnte Leinfelder bereits das hundertste Vereinsmitglied willkommen heißen. Am Samstag 3. März 1951 sprach Dr. Edgar Krausen vor 80 Zuhörern über bedeutende Persönlichkeiten aus dem Pöttmeser Adelsgeschlecht derer von Gumppenberg. Das Interesse an einer Fahrt ins Altmühltal war am 27. Mai 1951 so groß, dass gleich zwei Busse nötig waren, um die 70 Teilnehmer befördern zu können. Wegen der starken Nachfrage wurde die Fahrt am 23. September mit 38 Personen nochmals durchgeführt.

In der Generalversammlung vom 16. November 1951 beschloss der Verein seine erste Satzung. Der Zweck des Vereins wurde in § 2 formuliert: Der Zweck des Vereins ist die Pflege der Heimat, die Stärkung des Heimatgedankens, die Förderung der Heimatforschung, die Erschließung heimatkundlicher Quellen und die Hebung des kulturellen Lebens im Stadt- und Landkreis Aichach. Der Heimatverein ist bestrebt, insbesondere durch Abhaltung von Vorträgen, Führungen, Wanderungen, Besichtigungen, sowie durch Veröffentlichung von Heimatschriften in der Bevölkerung Heimatsinn zu wecken und Heimatkenntnisse zu verbreiten, auch die Aufgaben der Heimatpflege und des Naturschutzes zu unterstützen. Ferner hat der Verein mit dem von der Stadt aufgestellten Museumsverwalter auch die Betreuung des städtischen Museums. Die damals formulierten Ziele sind auch noch heute die in ihren Grundgedanken kaum veränderten Säulen der Vereinsarbeit. Lediglich für den Bereich des Naturschutzes gibt es heute eigene Institutionen, die sich vorrangig für dieses Ziel einsetzen. Eineinhalb Jahre nach der Vereinsgründung hatte sich die Zahl der Mitglieder mit 120 Personen bereits verdreifacht. Die Mitglieder erhielten beim Beitritt eine graphisch aufwendig gestaltete Mitgliedskarte, für die der Vorsitzende den Entwurf selbst gezeichnet hatte. Ebenso verwendete der Heimatverein ab dem Jahre 1955 für die Vereinspost Briefbögen und Briefhüllen mit einer Zeichnung des Oberen Tores nach einer Vorlage von Karl Leinfelder.

Zu einem festen Bestandteil des Vereinsprogramms wurden bereits in den Anfangsjahren des Vereins kunsthistorische Exkursionen zu Zielen im gesamten süddeutschen Raum. In der Regel wurden zweimal im Jahr solche Fahrten durchgeführt. Beispielhaft sollen hier einige erwähnt werden. Im Mai 1954 besuchten 75 Teilnehmer den Isarwinkel um Bad Tölz und im September des gleichen Jahres fuhren 57 Aichacher nach Ellingen und Weißenburg. 80 Teilnehmer reisten im September 1956 in den Chiemgau. Wieder zwei Busse waren notwendig, um im Oktober 1957 65 Personen auf den Spuren von Ludwig Steub im Leitzachtal beim Tatzelwurm wandeln zu lassen. Die heimatkundlichen Fahrten wurden in einem vereinseigenen Fotoalbum dokumentiert.

Das Wirken des Vereins war nie auf das Gebiet der Stadt Aichach beschränkt. Es wurden vielmehr Themen, den ganzen Landkreis betreffend, behandelt und auch Vorträge außerhalb von Aichach angeboten. So besuchten am 29. November 1951 75 Personen im Cafe Kögl den Vortrag von Frau Dr. Gertrud Diepolder über den Band des Historischen Atlas, der „Das Landgericht Aichach“ behandelte. Im Kapplerbräusaal in Altomünster sprach am 27. April 1952 vor 110 Zuhörern der Kunsthistoriker Dr. Norbert Lieb über „Johann Michael Fischer, der größte Baumeister des bayerischen Rokoko“. Daraufhin traten 15 Personen aus Altomünster dem Verein bei. Am 28. Oktober 1952 hielt Karl Leinfelder in Pöttmes vor 110 Zuhörern seinen Vortrag mit dem Titel „Auf Nibelungenwegen ins Altmühltal“.

Das Vortragsangebot des Vereins umfasste eine erstaunliche Bandbreite, die nicht nur die Heimatgeschichte, sondern auch die Bereiche Literatur und Länderkunde abdeckte. Einige hier vorgestellte Themen sollen dies veranschaulichen. Ein einmaliges Ereignis war für Aichach in der Nachkriegszeit eine Wanderausstellung, die unter der Schirmherrschaft des Heimatvereins im Juli 1952 im Zieglersaal am Stadtplatz zu sehen war und von über 1 000 Aichachern besucht wurde. Zum Programm der Schau mit dem Titel „Die Kultur des Steinzeitmenschen - Vom Faustkeil zum Webstuhl“ gehörten auch zwei Vorträge. Mit 120 Zuhörern im Gasthaus Hofmann begab sich Karl Leinfelder am 30. März 1954 bei seinem Vortrag auf „Eine Wanderung durch das zerstörte Aichach anno 1636.“ 70 Personen hörten am 31. März 1958 sein Referat über „Die Kunst des Stiches und der Radierung“, bei der der Vereinsvorsitzende Hintergrundwissen zu seinen eigenen künstlerischen Fähigkeiten vermitteln konnte. Besonders reizvoll für 90 Aichacher war sicherlich der Vortrag von Gefängnispfarrer Anton Gundlach am 18. November 1957 im Gasthaus Hofman mit dem Titel: „Der Jahreslauf in der Strafanstalt“. Zu einem eigenen Bereich des Vereinsprogramms, der großen Anklang fand, entwickelten sich literarisch-musikalische Abende. Hierbei kamen Leinfelder seine Kontakte in seine Geburtsstadt München zu Gute. Zweimal lud er die Münchner Volksschauspielerin Elise Aulinger zu einem Ludwig-Thoma-Abend nach Aichach ein. Im Dezember 1955 rezitierte die Schauspielerin, an die heute ein Brunnen auf dem Viktualienmarkt erinnert, vor 120 Personen im Cafe Kögl die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma. Im Januar 1957 hatte der Heimatverein anlässlich des 90. Geburtstages von Ludwig Thoma Elise Aulinger erneut nach Aichach eingeladen. 150 Gäste waren dabei, als die Filmschauspielerin Auszüge aus Thomas Stücken zum Bauern- und Bürgerleben zum Besten gab. Im November 1958 musizierte das Penzberger Schrammelquartett vor 101 Teilnehmern im Cafe Koch. Ebenso war es Leinfelder gelungen, den Schriftsteller Dr. Horst Wolfram Geißler für eine Veranstaltung des Heimatvereins zu gewinnen. Der mit dem Aichacher Bürgermeister Werlberger verwandte Literat begeisterte am 15. November 1960 mit einer Lesung aus seinem Erfolgsroman „Der liebe Augustin“ 80 Personen im Cafe Kögl.

EinsEinsatz für Heimatmuseum, Bürger und Rathaus

Ständig war der Verein bestrebt, die Situation des Heimatmuseums zu verbessern. In einer Vorstandssitzung am 7. Februar 1952 konnte der Vorsitzende von der durchgeführten Inventarisierung der Sammlungsgegenstände berichten. Der Handelswert der Objekte wurde damals mit 20 000 DM beziffert. Die Pläne zur Behebung der Raumnot zerschlugen sich jedoch alle. So war im Jahr 1953 ein Umzug ins renovierte Obere Tor geplant, der jedoch nicht zustande kam. Auch bei der Generalversammlung am 11. Dezember 1956 setzte man sich ausführlich mit dem Platzmangel im Museum auseinander und hoffte, geeignete Räume im Kindergarten zu finden, die im Herbst 1957 durch die Fertigstellung der Volksschule frei würden. Auch bei der Mitgliederversammlung am 24. April 1958 war das Museum wieder ein Thema. Jedoch gelangen dem Verein keine grundlegenden Verbesserungen für diese Institution.

Neben den klassischen Tätigkeitsfeldern im Bereich der Heimatforschung erhob der Verein sein Wort in der Öffentlichkeit, wenn er die Belange der Heimatpflege berührt sah. So protestierte er im Juni 1950 gegen die Errichtung einer Lautsprecheranlage für das Aichacher Schwimmbad. Die Stadtverwaltung plante nämlich eine durch Schallplattenmusik angenehme Unterhaltung der Badegäste. Der Verein sah dadurch jedoch den Zweck des Freibades als Erholungs- und Entspannungsstätte gefährdet. Bei der Generalversammlung im Dezember 1957 wies man auf den schlechten Zustand des Löwendenkmals an der Abzweigung des Wittelsbacher Weges von der Schrobenhausener Straße hin. Der Heimatverein wollte den „Wegweiser nach Oberwittelsbach“ renovieren lassen, da er vom Verfall bedroht war. Als zu Beginn des Jahres 1958 die Pläne von Bürgermeister Wernseher für einen Umbau des denkmalgeschützten Rathauses bekannt wurden, nahm der Verein auch hierzu deutlich Stellung. Es war diskutiert worden, die Freitreppe am Giebel, „die keine Bedeutung mehr hat “, abzubrechen. Stattdessen sollte ein Erker angebaut werden. Ferner plante die Stadtverwaltung, Archivräume im Rathaus zu Büroräumen umzubauen. Der Heimatverein setzte sich daraufhin für eine denkmalgerechte Renovierung des Rathauses ein und handelte damit im Sinne von breiten Schichten der Aichacher Bevölkerung. Dadurch gelang es, die Freitreppe zu erhalten, die noch heute das Aichacher Rathaus prägt. Die Verlagerung des Archivs konnte jedoch nicht verhindert werden.

Dem Verdienste seine Kronen

Bereits am 15. Juli 1952 wurde Karl Leinfelder für sein umfassendes Wirken mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der oberbayerische Regierungspräsident Dr. Heinrich Kneuer nahm die Ehrung im Landratsamt in Aichach persönlich vor. Der Vereinsvorsitzende war der erste Aichacher Bürger, der diese Ehrung erhielt.

Ein wichtiges Anliegen Leinfelders war es, eine Heimatbeilage zu verankern, in der heimatkundliche Forschungsergebnisse aus dem Aichacher Raum veröffentlicht werden konnten. So gelang es dem Heimatverein im Oktober 1952 mit Fritz Mayer, dem Verleger der Aichacher Zeitung, zu vereinbaren, dass ab dem Jahr 1953 alle zwei Monate das „Aichacher Heimatblatt“ als achtseitige Heimatbeilage der Lokalzeitung erscheinen

sollte. Der früher in Haunswies tätige Oberlehrer Josef Deinböck aus Augsburg wurde wegen seiner Verdienste um „Das Grubet“ das Vorgängerorgan des „Aichacher Heimatblatts“, zum Ehrenmitglied des Heimatvereins Aichach ernannt. Daneben schrieb Leinfelder in den 1950er Jahren auch zahlreiche Aufsätze für die „Friedberger Heimatblätter“. Ebenso beauftragte der Verein bereits im Jahr 1953 den Fotografen Arthur Ständer mit der Inventarisierung der Kunstdenkmäler im Landkreis Aichach. Die Aktivitäten des Heimatvereins waren für viele attraktiv, so dass die Zahl der Mitglieder laufend anstieg. Als der Verein im Jahr 1953 in das Vereinsregister eingetragen wurde, hatte er bereits über 160 Mitglieder. Als 200. Mitglied konnte am 13. Juli 1954 der neue Aichacher Stadtpfarrer Johann Baptist Reiter aufgenommen werden. Später gelang es, die Mitgliederzahl auf fast 300 Personen zu erhöhen.

Zum 80. Geburtstag von Karl Leinfelder wurde am 8. Oktober 1963 im Cafe Kögl ein eigener Festabend veranstaltet. 90 Personen hörten die umfassenden Würdigungen der Verdienste des Vorsitzenden des Heimatvereins durch mehrere Redner. Am 27. November 1963 fand der letzte Vortrag in seiner Amtszeit statt. Vor 50 Personen sprach Gefängnispfarrer Anton Gundlach im Triltschsaal über das Heilige Land.

Am 21. Februar 1964 verstarb der Gründungsvorsitzende der Vereins. Karl Leinfelder hatte dem Verein fast 14 Jahre als Vorstand gedient und über 40 Jahre die Heimatforschung im Aichacher Land geprägt. Landrat Josef Bestler ehrte den Verstorbenen mit einem Nachruf und dankte ihm für seine Tätigkeit als Archivpfleger seit dem Jahr 1946 und als Heimatpfleger seit dem Jahre 1952.

Toni Grad war von 1964 bis zu seinem Tode im Jahr 1988 Vorsitzender

Am 19. Mai 1964 hatte der zweite Vorstand des Vereins, Paulus Glaswinkler, zu einer Vorstandssitzung in den Gasthof Stieglbräu eingeladen, um nach dem Tode des bisherigen Vorsitzenden über die Zukunft des Vereins zu beraten. Einmütig bekundeten die Anwesenden ein allgemeines Interesse am Fortbestehen des Heimatvereins, selbst wenn es nicht möglich wäre, einen All-round-Mann der Heimatkunde und Heimatpflege, wie es Karl Leinfelder gewesen war, zu ersetzen. Bei dieser Sitzung wies Toni Grad aus seiner Sicht auf künftige Aufgaben des Vereins hin: Er sollte sich der Pflege des Ortsbildes, besonders des Aichacher Stadtplatzes, der Verhinderung unschöner Reklame und des Schutzes der Denkmäler annehmen.

Der Musikpädagoge Anton Grad wurde dann am 1. Juni 1964 zum neuen Vorsitzenden des Heimatvereins Aichach gewählt. Bei ihrer ersten Vorstandssitzung am 16. Juni 1964 setzte sich die neue Vorstandschaft mehrere große Ziele. Das größte Anliegen war, eine Verbesserung der Situation des Heimatmuseums. Einsetzen wollte man sich auch für ein würdiges Ehrenmal für die Gefallenen der Kriege. Ferner wurde die Herausgabe einer Aichacher Heimatgeschichte angestrebt. Nachdem im selben Jahr die Aichacher Zeitung ihr 100-jähriges Bestehen begehen konnte, wollte man eine Veröffentlichung, die aus diesem Anlass erscheinen sollte, zum Grundstock für ein Heimatbuch machen.

Der am 26. Mai 1903 in Baierbrunn im Landkreis München geborene Grad hatte an der Musikhochschule München die Meisterklasse für Komposition und Schulmusik besucht und an der Universität München Kunst- und Theatergeschichte studiert. Ab 1927 war er als Musikerzieher tätig. Im Oktober 1939 heiratete er die Aichacher Bürgerstochter Carola Haselberger. Seit April 1948 war er neben seinem Einsatz als Musiklehrer an der Oberrealschule Dozent an der Philosophischen Hochschule bei St. Stephan in Augsburg. Zum 1. April 1953 wurde er zum Studienprofessor befördert. Ab dem 1. November 1958 war er Dozent an der Pädagogischen Hochschule der Universität in München-Pasing. Obwohl seine Amtsbezeichnung am 1. Mai 1957 in Oberstudienrat geändert wurde und er am 1. Januar 1965 zum Studiendirektor befördert wurde, blieb er in Aichach immer der „Herr Professor Grad“. Er selbst verwendete den Titel Professor jedoch in seinen Briefen nicht. Neben seiner Lehrtätigkeit räumte er der Forschung breiten Raum ein. Bereitwillig übernahm Grad überregionale Aufgaben auf Landes- und Bundesebene. Bereits ab 1950 wurde er vom Kultusministerium als Mitarbeiter bei der Ausarbeitung von Lehrplänen betraut. Als Gründer der „Landesarbeitsgemeinschaft Jugendmusik in Bayern“ war Grad Mitarbeiter des Bayerischen Jugendrings. Zugleich gehörte er dem Musikausschuss des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege an. 1952 gründete Grad die Ottobeurer Musikwochen für Kammermusik und Orchester und leitete sie 18 Jahre lang. Eine Auswahl seiner Kompositionen für Bläser ist auf zwei Schallplatten erschienen.

Ab dem Jahr 1965 unternahm er im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft drei Expeditionen nach Zentralasien, um dort die Musik der Himalayavölker zu erforschen. Deswegen war die Zeit, die er für sein Amt als Vorsitzender des Heimatvereins Aichach aufwenden konnte, in den ersten Jahren sehr begrenzt.

Er bemühte sich daher, die Vereinsarbeit auf eine breitere Basis zu stellen. So wurden bei seiner ersten Wahl am 1. Juni 1964 auch mehrere Sachbearbeiter und Beisitzer gewählt. Als Bearbeiter für historische Belange wurde der Pfarrer und Archivpfleger Georg Gollinger bestimmt. Für Museumsangelegenheiten war weiterhin Karl Demel zuständig. Um den Bereich der Volkskunde kümmerte sich Albert Neumaier. Mitarbeiter im Archiv war Arthur Ständer; zusätzlich um die Bücherei sollte sich Oskar Rhein kümmern. Dem Beirat gehörten auch Anneliese Böhm sowie Fritz Mayer der Herausgeber des Aichacher Heimatblatts, der Verbindungsmann zum Stadtrat Oberlehrer Alfred Riepl, der Schiltberger Lehrer und spätere Archivpfleger Rudolf Wagner, Kreisheimatpfleger Josef Kreitmeir aus Gartelsried, Wilhelm Zametzer aus Aichach und Franz Schiffmann aus Oberbernbach an.

Die erste von der neuen Vorstandschaft organisierte Fahrt führte in die nähere Aichacher Umgebung. Neben Hohenried, wo Pfarrer Gollinger geschichtliche Hintergründe erläuterte, ging es nach Pöttmes, Neuburg und St. Othmar. In Sandizell brachte Grad die Orgel zum klingen. 47 Personen besuchten am 26. September 1965 Wirkungsorte des berühmten Sohns der Stadt Aichach, Ludwig Steub, in Brixlegg, Erl und am Tatzelwurm. Ein besonders aktiver Mitarbeiter des Heimatvereins war Erhard Schaal. Seit der Gründung des Vereins wirkte er als Schriftführer. Er interessierte sich besonders für die Biographie von Ludwig Steub. Am 3. April 1967 hielt er im Gasthaus Hofman einen Vortrag über den Aichacher Schriftsteller. Im selben Jahr kam er im Alter von 54 Jahren beim Bergsteigen im Dachsteingebiet ums Leben. Auch sein erst 18-jähriger Begleiter Wieland Schimunek verstarb dabei am 3. September 1967. Das Amt des Schriftführers wurde erst im Oktober 1988 wieder besetzt.

Der Neuaufbau des Heimatmuseums im alten Stadtkrankenhaus

Einen sehr langen Atem benötigte der Heimatverein in seinem Einsatz für das Heimatmuseum. Mehr Platz für die Darstellung der Sammlungsgegenstände erwartete man sich von einem Umzug vom Steubhaus in das „Nordheim“ an der Schrobenhausener Straße. Als Alternativen fasste man Räume im Kindergarten, im Oberen Tor oder im Wasserwerk ins Auge. Bereits im Juli 1964 lehnte der Stadtrat jedoch den Wunsch des Heimatvereins zur Nutzung des Nordheims ab und stellte das Gebäude dem BCA als Clubheim für die Fußballer zur Verfügung. Vielversprechend war die Alternative, die man dem Heimatverein nun vorschlug. Sobald der Erweiterungsbau des Spitals fertig sei, würden Räume im Spital am Stadtplatz für das Museum frei werden. Auf diesen hoffnungsvollen Lichtblick folgte jedoch ein absoluter Tiefschlag. Im Februar 1965 wurde der Vorstandschaft von Bürgermeister Wernseher mitgeteilt, dass das Museum die Räume im Steubhaus sofort räumen sollte. Die Stadt hatte das Steubhaus verkauft und der neue Eigentümer wollte baldmöglichst mit dem Einbau einer Zentralheizung beginnen. Die Museumsobjekte wurden daher im Wasserwerk und im Kindergarten eingelagert und waren wieder einmal für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Inventarisierung der Ausstellungsstücke erfolgte bei der Einlagerung durch die Mitglieder des Vereinsbeirates Oskar Rhein und Arthur Staender. Erst als durch den Neubau des Aichacher Kreiskrankenhauses das alte Stadtkrankenhaus frei wurde, gab es wieder Aussicht auf Räume für das Museum. So nahm man bei der Generalversammlung des Vereins am 27. November 1967 das Angebot der Stadt an, Flächen im Westflügel des bisherigen Krankenhauses für das Heimatmuseum zu nutzen, an. Welch große Aufgabe damit auf den Verein zukommen würde, konnte damals wohl keiner abschätzen. Es war vorgesehen, die Neuaufstellung des Museums in einem Jahr durchzuführen. Am 28. Februar 1968 tagte erstmals ein Arbeitsausschuss für die Gestaltung des Heimatmuseums. Nachdem Toni Grad zum Juni 1968 in den Ruhestand getreten war, konnte er sich mit großer Energie dieser Aufgabe widmen. Der Verein trat in den nächsten Jahren nach außen hin wenig in Erscheinung, da der Aufbau des Museums die ganze Kraft des Vorstandes in Anspruch nahm und wie Toni Grad es bei der Generalversammlung im Dezember 1970 formulierte, seit 2 Jahren das Hauptanliegen des Vereins sei. Im November 1970 hatte sich der Stadtrat vor Ort über die weit fortgeschrittenen Arbeiten im Museum informiert. Grad verstand es, seine zahlreichen Kontakte aus seiner beruflichen Tätigkeit zu überregionalen Persönlichkeiten und Organisationen für den Aufbau des Museums zu nützen und so vielfältige Unterstützung für seine Arbeiten zu erhalten. Auch auf lokaler Ebene erfuhr er umfangreiche Hilfe. So sammelte im September 1969 der Kreisverband der KLJB im Landkreis Material für das Aichacher Heimatmuseum: bäuerliche Handwerks- und Gebrauchsgegenstände. Nach und nach wurden die einzelnen Räume des Hauses fertiggestellt. Schließlich konnte das Museum um zwei weitere Räume erweitert werden, die zuvor noch vom Forstamt belegt worden waren. Diese Räume wurden als Urkundenzimmer und als Raum der Aichacher Persönlichkeiten gestaltet.

Die großen Verdienste Grads um das Gemeinwohl würdigte Landrat Josef Bestler bereits am 17. August 1971, als er im Landratsamt Aichach das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an ihn überreichte.

Am Samstag, 11. November 1972, wurde nach vierjährigem Einsatz die Eröffnung des Heimatmuseums Aichach im festlichen Rahmen begangen.

Die engsten Mitarbeiter Grads bei der Neuaufstellung des Museums waren Zenzi Betzmeir, Anneliese Böhm, Wilhelm Dichtl, Christl Heger, Franziska Pospischil und Hans Schmid. Bemerkenswert war, dass kurz nach der Landkreisgebietsreform die Bezirkstagspräsidenten von Oberbayern und von Schwaben am Festakt zur Museumseinweihung in der Aula der Aichacher Realschule teilnahmen.

Das Museum fand nun großen Zuspruch bei der Bevölkerung. Besucht werden konnte es jedoch nur im Rahmen von Führungen. Als Führer standen nur Grad selbst und Hans Schmid zur Verfügung. So wurde bereits im September 1973 bedauert, dass das Heimatmuseum zu wenig geöffnet sei. Diesem Manko wollte man mit Tonbandführungen entgegenwirken, die aber nicht umgesetzt wurden. Ein Problem des Museums war zudem die fehlende Heizung, so dass sich Gäste bei einem Besuch im Winter warm anziehen mussten. Im März 1974 beklagte Grad die unwürdige Unterbringung des Stadtarchivs.

Am 17. Juni 1975 konnte ein weiteres Projekt Grads abgeschlossen und die heimatkundliche Bücherei im Heimatmuseum Aichach eröffnet werden. Rund 1 000 Werke und eine Sammlung von 900 Dias wurden damit für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Einsatz für das Aichacher Stadtbild

Neben dem Einsatz für das Museum engagierte sich der Heimatverein für die Verschönerung des Aichacher Stadtbildes. Auf Initiative des Vereins wurde im Jahr 1964 in der Friedhofskapelle ein Ehrenmal für die in den Kriegen gefallenen Söhne der Stadt Aichach errichtet. Zum Abschluss der Neugestaltung des Innenraums wurden dort nach den Entwürfen von Toni Grad im Oktober 1966 zwei Votivkerzen angebracht. Mehrfach machte der Heimatverein die Öffentlichkeit auf die notwendige Renovierung von Inschriftentafeln und Denkmälern im Stadtgebiet aufmerksam. So wurde die Renovierung der Inschriftentafel am Oberen Tor und der Steubbüste am Steubhaus angeregt. Die bisher im Rathaus verwahrte Gedenktafel an Bürgermeister Lorenz Alois Gerhauser wurde am Nachfolgebau seines Geburtshauses am Stadtplatz angebracht. Mehrfach wurde die Renovierung des Löwendenkmals am Wittelsbacherweg angemahnt. Bereits im März 1974 wies Grad auf den schlechten Zustand der Grabsteine an der Stadtpfarrkirche hin. Bei der folgenden Renovierung wurden die meisten Steine dann in den Innenraum der Kirche verlegt. Die schon 1968 durch den Heimatverein angeregte Sanierung der Sebastiankapelle konnte von der Stadtverwaltung erst im Jahr 1973 verwirklicht werden. Ein großes Projekt, welches das Aichacher Stadtbild positiv veränderte, war die vom Heimatverein im Dezember 1972 angestoßene Renovierung der beiden Stadttore. Der neue Bürgermeister Alfred Riepl griff die Idee bald auf, so dass bereits am 4. Oktober 1975 mit einem großen Fest vor dem Unteren Tor der Abschluss der Renovierung der Aichacher Stadttore gefeiert werden konnte.

Daneben wurden die allgemeinen Vereinsaktivitäten fortgeführt. Als Autor und Referent trat in den 1960er und 1970er Jahren vielfach Kreisheimatpfleger Josef Kreitmeir hervor. Im Februar 1966 hörten 150 Personen den Vortrag von Dr. Hans Frei über den Eisenerzabbau im Grubet. Bei der Generalversammlung am 21. November 1966 wurde der Jahresbeitrag von drei auf fünf Mark angehoben. Im Juni 1969 warben Landrat Josef Bestler und Kreisheimatpfleger Josef Kreitmeir bei den Gemeinden des Landkreises für den Beitritt zum Heimatverein, der damals nur mehr 185 Mitglieder hatte. Zur Vorbereitung auf das Birgittenjubiläumsjahr 1973 sprach Toni Grad in Altomünster am 19. April 1971 über „Die heilige Birgitta und das Birgittenkloster Altomünster.“ Zu diesem Jubiläumsjahr wurde seine Idee aus dem Jahr 1971 umgesetzt, eine eigene Schriftenreihe einzurichten. Drei Bücher wurden so bis 1980 herausgegeben. Im August 1973 wurde Dr. Josef Müller, der zweite Vorsitzende des Heimatvereins, 84-jährig mit der Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens ausgezeichnet. Er hatte 1968 die grundlegende Aichacher Stadtgeschichte „Aichach einst und jetzt“ als Buch veröffentlicht. Im März 1974 nahm man sich vor, die Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Friedberg zu intensivieren.

Toni Grad wurde 1980 als Museumsleiter abgesetzt

Ausgerechnet zum Ende des Wittelsbacher Jubiläumsjahres 1980 sorgte das Aichacher Heimatmuseum für überregional negative Schlagzeilen. Am Montag 29. September, kam es zu einem schlimmen Unfall mit 13 Verletzten. Bei einer Führung mit dem zweiten Vorsitzenden Hans Schmid brach das mittlere Podest im Treppenhaus zusammen und eine Besuchergruppe stürzte fast fünf Meter in die Tiefe. Ursache für diesen Unfall waren morsche Balken in der Tragwerkskonstruktion der Treppe gewesen. Spektakulär war auch der Beschluss des Aichacher Stadtrats vom 27. November 1980, dem Vorsitzenden des Heimatvereins und Leiter des städtischen Heimatmuseums vorläufig die Leitung des Museums zu entziehen. Einen Tag später erstattete Bürgermeister Alfred Riepl bei der Staatsanwaltschaft Augsburg Anzeige gegen Toni Grad. Man warf ihm die Veruntreuung von Museumsobjekten vor. Schon Bürgermeister Wernseher hatte fehlende Inventarlisten im Museum angeprangert und beklagt, dass die Eigentumsverhältnisse bei zahlreichen Museumsobjekten nicht zweifelsfrei zu klären waren. Obwohl die Staatsanwaltschaft Augsburg mit Bescheid vom 24. April 1981 das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue oder Unterschlagung gegen Toni Grad eingestellt hatte, war das Vertrauensverhältnis zwischen der Stadtverwaltung und dem Vorsitzenden des Heimatvereins nun nachhaltig gestört. Daher beschloss der Stadtrat am 26. Mai 1981 die endgültige Entbindung von Toni Grad vom Amt des ehrenamtlichen Leiters des städtischen Heimatmuseums. Als am 24. Juli 1981 die Neuwahl der Vorstandschaft des Heimatvereins anstand, wurde versucht, Toni Grad abzulösen. Der Gegenkandidat Otto Steuerl scheiterte jedoch mit 14 zu 22 Stimmen. Toni Grad blieb damit weiter Vorsitzender des Heimatvereins. Nach der Abberufung von Toni Grad als Museumsleiter im Jahr 1981, leitete der zweite Vorsitzende des Vereins, Hans Schmid, das Heimatmuseum. Im Frühjahr 1984 konnten die beiden Mitglieder des Heimatvereins, die Gymnasiallehrer Franz Friedl und Gottfried Hecht, für die Betreuung des Heimatmuseums gewonnen werden. Beide wurden nach dem Tode von Toni Grad auch in die Vorstandschaft des Vereins gewählt.

Die Mitglieder des Heimatvereins wussten die außerordentlichen Verdienste ihres Vorsitzenden weiterhin zu schätzen. Zu seinem 80. Geburtstag am 26. Mai 1983 wurde daher eine Würdigung seiner Arbeit im Aichacher Heimatblatt veröffentlicht. Seit seiner Wahl zum Vorstand im Jahr 1964 hatte er 36 Fahrten durchgeführt und im Rahmen des Vereinsprogramms 19 Vorträge gehalten oder organisiert. Am 31. Dezember 1983 endete die Amtszeit von Toni Grad als Kreisheimatpfleger, der dieses Ehrenamt im Auftrag des Landkreises seit 1973 ausgeübt hatte. Noch im hohen Alter organisierte Grad anspruchsvolle kunstgeschichtliche Fahrten, die weiterhin großen Anklang fanden. So besuchten unter seiner Leitung im Mai 1987 51 Personen die Fuggerschlösser in Mittelschwaben, im Juli fuhren 40 Mitglieder zur Jemenausstellung ins Völkerkundemuseum nach München. Die letzte von ihm geleitete Fahrt hatte am 24. Oktober 1987 den Rupertigau um Berchtesgaden zum Ziel.

Toni Grad, der 24 Jahre Vereinsvorsitzender war, starb am 15. April 1988.

Wilhelm Liebhart leitete den Verein fünf Jahre

Als am 11. Oktober 1988 der Historiker Dr. Wilhelm Liebhart aus Altomünster zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, hatte der Heimatverein Aichach 224 Mitglieder. Der 1951 geborene Liebhart war damals der einzige Historiker des Aichacher Landes, der sich beruflich mit Geschichte beschäftigte. Er hat von 1972 bis 1977 an der LMU München Geschichte, Geschichtliche Hilfswissenschaften, Germanistik und Politikwissenschaften studiert. Bereits im Jahr 1974 konnte er seinen ersten Aufsatz im Aichacher Heimatblatt mit dem Titel „Die innere Organisation der Landstadt Aichach im ausgehenden 16. Jahrhundert“ veröffentlichen. Mit seiner 1977 erschienenen Magisterarbeit „Kloster, Wallfahrt und Markt in Oberbayern“ leistete er einen wertvollen Beitrag zur Erforschung der Geschichte der Märkte Altomünster, Kühbach, Hohenwart und Inchenhofen. 1982 wurde seine Doktorarbeit „Die Reichsabtei St. Ulrich und Afra zu Augsburg. Studien zu Besitz und Herrschaft (1006–1803)“ als Teil des Historischen Altas von Bayern gedruckt. Seit 1989 wirkt Liebhart als Professor für Geschichte, Politik und Literatur an der Hochschule Augsburg.

Hans Schmid wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt

Neben Toni Grad prägte der zweite Vorsitzende des Heimatvereins Hans Schmid über Jahrzehnte die Heimatpflege des Aichacher Landes. Durch seine Führungen im Heimatmuseum und seine zahlreichen Veröffentlichungen im Aichacher Heimatblatt und in den Weihnachtsausgaben der Aichacher Zeitung trug er in erheblichem Umfang zur Steigerung des Wissens um die lokale Geschichte bei. Daher wurde er am 22. November 1988 zum Ehrenvorsitzenden des Heimatvereins ernannt. Er hatte seit dem März 1974 über 14 Jahre als zweiter Vorsitzender des Vereins amtiert. Am 27. Oktober 1902 war er in München geboren worden. Im Januar 1928 kam er von Fürstenfeldbruck nach Aichach. Seit 1930 leitete er die Berufsschule und war ab 1938 Berufsschuldirektor der zunächst städtischen Berufsschule, die später als Zweckverband geführt wurde und schließlich zur Kreisberufsschule wurde. Am 1. September 1968 trat er in den Ruhestand. Bereits im November 1970 wurde ihm von Landrat Josef Bestler als Anerkennung für seine vielfältigen Verdienste das Bundesverdienstkreuz überreicht. Danach war Schmid von 1972 bis zum Ende des Jahres 1983 als Kreisheimatpfleger ehrenamtlich tätig. Zum 80. Geburtstag im Jahr 1982 wurde ihm, als erstem Bürger des Kreises, der Ehrenring in Gold des Landkreises verliehen. Ebenso erhielt er die ebenfalls erstmals verliehene Bürgermedaille in Gold der Stadt Aichach. Zum 90. Geburtstag im Oktober 1992 durfte sich Hans Schmid in das Goldene Buch der Stadt Aichach eintragen. Er starb am 9. März 1994 im 92. Lebensjahr.

Neben dem Jahresprogramm mit Vorträgen und Fahrten wurde von der neuen Vorstandschaft mit Dr. Liebhart an der Spitze die Arbeit im Museum und die Förderung der Heimatforschung als wichtigste Vereinsaufgabe betrachtet. Daher schloss sich der Verein im Dezember 1989 dem Verband Bayerischer Geschichtsvereine und im Oktober 1990 dem Gesamtverein Deutscher Geschichtsvereine an. Ebenso besann man sich im Dezember 1994 der Wurzeln des Heimatvereins Aichach und wurde als Verein Mitglied beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege in München. Die erste von der neuen Vorstandschaft organisierte Fahrt führte am 5. November 1988 zur Landesausstellung „Die Bajuwaren“ in den Lokschuppen nach Rosenheim. Am 12. Dezember 1989 wurde eine neue aktualisierte Satzung beschlossen, in der die Vereinsziele nochmals konkretisiert wurden. Mit Maria Kern wurde am selben Tag erstmals eine Frau in den Vorstand gewählt. Sie übernahm das neu geschaffene Amt der dritten Vorsitzenden. Im Herbst 1990 wurde das 40-jährige Bestehen des Vereins mit einem Festabend im Aichacher Pfarrzentrum in großem Rahmen gefeiert. Dabei wurden auch zahlreiche langjährige Mitglieder mit Urkunden geehrt. Völlig neu ins Leben gerufen wurde im Oktober 1992 „Der Geschichtsstammtisch“. Unter der Leitung von Kreisarchivpfleger Rudolf Wagner haben sich seitdem geschichtsinteressierte Bürger 120-mal zum zwanglosen Austausch im Gasthof Specht getroffen. Im zweiten Halbjahr des Jahres 1993 entschied sich die Vorstandschaft dazu künftig, das noch heute gebräuchliche, Vereinslogo zu verwenden. Liebhart hatte Studenten der Fachhochschule Augsburg gebeten Vorschläge für ein neues Signet für den Verein zu entwerfen. Liebhart bringt sich heute gerne in die Vereinsarbeit ein. Er bereichert das Programm regelmäßig durch wissenschaftliche Vorträge und leitet immer wieder Führungen und Fahrten für die Vereinsmitglieder.

Maria Kern war über zwölf Jahre Vereinsvorsitzende

Bei der Generalversammlung am 22. November 1994 wurde Maria Kern zur neuen Vereinsvorsitzenden gewählt. Hauptthema der Diskussion an diesem Abend war wieder einmal die beengte räumliche Situation im Heimatmuseum.

Am 13. März 1993 starb das engagierte Vereinsmitglied Kreszenz Betzmeir im Alter von 66 Jahren. Die Stadt hatte ihre Verdienste - vor allem um das Heimatmuseum - bereits im Mai 1985 durch die Verleihung der Bürgermedaille in Silber gewürdígt. In ihrem Testament bedachte sie den Heimatverein mit einem großzügigen Vermächtnis. Der Verein bekam ein ein Tagwerk großes Grundstück in der Gemarkung Alsmoos zugesprochen. Dieses Ackergrundstück wurde am 8. Februar 1996 zum Preis von über 16 000 DM verkauft. Durch dieses Vermächtnis erlangte der Heimatverein eine solide Basis für die Vereinsarbeit der nächsten Jahre. Er war auch zu dieser Zeit bestrebt, die breite Öffentlichkeit auf die oft schwierige Situation der Einrichtungen der Heimatpflege in Aichach aufmerksam zu machen. So stellte am 22. März 1994 Stadtarchivar Karl Christl mit seinem Vortrag vor den Vereinsmitgliedern und einer Begehung der Räume im Wasserwerk das völlig unzureichend untergebrachte Stadtarchiv Aichach vor. Am 20. September 1994 führte Brigitte Lechner durch die Kreis- und Heimatbücherei, in der sich auch heute noch ein Teil der Vereinsbibliothek befindet.

Im November 1994 konnte die Vorstandschaft das 72 Seiten umfassende Heft „Beiträge zur Geschichte und Kultur des Aichacher Landes“ herausgegeben. Die Mitglieder erhielten so vier Aufsätze zur Heimatgeschichte in gedruckter Form zum Nachlesen überreicht. Zum 50-jährigen Vereinsjubiläum wurde Ende 2000 ein Bildkalender für das Jahr 2001 mit dem provokativen Titel „Verlorene Heimaten“ aufgelegt. Auf jedem Monatsblatt war ein leider abgebrochenes bäuerliches Anwesen aus dem Aichacher Land abgebildet. Im Heimatmuseum machte sich Maria Kern besonders um die Neuaufstellung der Abteilung „Boarisch Gwand“, in der traditionelle ländliche Kleidung aus Aichach und Umgebung präsentiert wurde, verdient.

Im Jahr 1996 beschloss der Aichacher Stadtrat, das Heimatmuseum neu und zeitgemäß umzugestalten. Zur Beseitigung der Raumnot wurden dem Museum große Teile der bisher von der Sonderschule genutzten Räume zur Verfügung gestellt. Die Stadt war an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Heimatverein interessiert. Der Vereinsvorstand befürchtete jedoch die unsachgemäße Unterbringung seiner Leihgaben. Da eine gedeihliche Zusammenarbeit mit der Vorstandschaft des Heimatvereins nicht mehr möglich erschien, gründete die Stadt im Juli 2004 den „Freundeskreis Stadtmuseum“, der den laufenden Betrieb des Museums auf weitgehend ehrenamtlicher Basis ermöglichen sollte. Zahlreiche Mitglieder des Heimatvereins schlossen sich dem Freundeskreis an, da sie das Heimatmuseum in Zukunft sogar noch stärker als zuvor unterstützen wollten. Die Mehrheit des Vorstandes verfolgte jedoch genau das gegenteilige Ziel und plante, die Mitarbeit des Vereins im Heimatmuseum ganz aus der Satzung zu streichen. Es folgten zwei emotionsgeladene turbulente Jahreshauptversammlungen im Januar 2005 und 2006, bei denen die konträren Meinungen aufeinander prallten. Jedoch wurde am 31. Januar 2006 von der deutlichen Mehrheit der Mitglieder (34:13 Stimmen) die von der Vorstandschaft geplante Streichung der Museumsarbeit aus der Satzung abgelehnt.

Wolfgang Brandner tritt im März 2007 sein Amt als Vorsitzender an

Als Konsequenz aus der Diskussion um das Museum wurde bei der Generalversammlung am 14. März 2007 der ehrenamtliche Archivpfleger Wolfgang Brandner mit einer Stimmenzahl von 42 zu 7 zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt.

Die neue Vorstandschaft entschloss sich, eine Jahresgabe für die Vereinsmitglieder zu installieren. Seit dem Jahr 2007 erhalten diese zum Ende des Jahres das Jahrbuch „Altbayern in Schwaben“ überreicht. Bald in Angriff genommen wurde der Aufbau von Kontakten zu den Heimatvereinen im Landkreis. Seitdem bestehen gute Verbindungen zu den Heimatvereinen in Dasing, Friedberg und Mering. Im Oktober 2008 wurde das neuaufgestellte Aichacher Stadtmuseum mit einem großen Festakt im Pfarrzentrum eröffnet. Auch das Stadtarchiv konnte im gleichen Haus optimal untergebracht werden. Im selben Monat wurde von der Stadt Aichach erstmals eine hauptamtliche Stelle für die Leitung beider Einrichtungen geschaffen und mit Christoph Lang M. A. aus Neukirchen besetzt. Damit waren die jahrzehntelangen Bemühungen des Heimatvereins Aichach um das Museum und das Stadtarchiv letztendlich doch erfolgreich. Das Vereinsprogramm mit einem vielfältigen Angebot an historischen Vorträgen und kunst- und kulturgeschichtlichen Fahrten hat auch in der Zukunft das Ziel, das Wissen breiter Bevölkerungskreise um unsere Vergangenheit zu steigern und damit das Geschichtsbewusstsein zu fördern. Zudem will der Heimatverein Aichach, mit seinen 260 Mitgliedern, auch in der Zukunft tatkräftig die Erforschung der Geschichte des Aichacher Landes weiterführen und bei aktuellen Fragen, die die Heimatpflege berühren, deutlich Stellung beziehen.

Eine ausführlichere Vereinsgeschichte finden Sie im Jahrbuch für Geschichte und Kultur: Altbayern in Schwaben 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Zukunft für die Vergangenheit