Bis auf den letzten Platz gefüllt ist der Raum im TSV Restaurant beim Vortrag von Franziska Sedlmair, als sie am 26.11. 2019 beim Stammtisch des Heimatvereins über die Gründe für die Flucht der Aichacher nach München spricht. Damit ist Frau Sedlmair auch die bisher jüngste Referentin beim Stammtisch und hat dafür großen Applaus erhalten.

Franziska Sedlmair stellt ihre Zulassungsarbeit beim Heimatverein Aichach vor:

 "Als Aichacher nach München flüchteten"

Studentin aus Schmiechen widmet sich Nöten der Bevölkerung der Stadt zum Ende des Dreißigjährigen Krieges vor 370 Jahren

Aichacher, die flüchten müssen? Auch das gab es schon in der Geschichte der Stadt. Ende des Dreißigjährigen Krieges vor 370 Jahren setzte eine Fluchtdynamik ein und Aichacher zogen gen München. Mit diesem Ereignis hat sich die Schmiechener Studentin Franziska Sedlmair für ihre Zulassungsarbeit in Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (abgekürzt LMU) auseinandergesetzt.

Vor etwa 35 interessierten Zuhörern stellte die Referentin - ganz aus dem Süden des Wittelsbacher Landes - jetzt beim Aichacher Heimatverein die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.

Für die Organisation des Abends war laut einer Mitteilung Museumsleiter Christoph Lang verantwortlich, der die Thematik in den Zusammenhang der Aichacher Stadtgeschichte stellte. Dass es kurz vor dem Friedensschluss im Oktober 1648 nach 30 Jahren Krieg noch einmal in unserem Raum zu einer solchen Explosion der Kriegsfurie kam, hatte mehrere Gründe. Gerade das westliche Kurfürstentum Bayern südlich der Donau war durch den Rückzug der bayerischen und österreichischen Truppen hinter die Isar entblößt. Es war damit dem Angriff der von Schwaben aus vordringenden Schweden und Franzosen preisgegeben. Die Befestigungsanlagen der kleineren Städte waren nach den Katastrophenjahren 1632 und 1634 nicht wieder aufgebaut worden, wie auch Stadtansichten von Aichach zeigen.

Und schließlich war aus dem Krieg ein blindwütiges Morden und Rauben und aus den Soldaten eine marodierende Soldateska geworden, egal ob es eigene Einheiten oder feindliche Eindringlinge waren. Die Folge dieser Entwicklung war, dass - wer es sich leisten konnte - sich auf den Weg machte, eventuell ausgestattet mit etwas Proviant in Form von Brot, Getreide oder lebenden Tieren. Das Ziel der Flüchtenden war die Residenzstadt München, die befestigt war und die mit der damals noch vorhandenen Waffentechnik nicht eingenommen werden konnte.

So kamen etwa 5000 Flüchtlinge von Westen, darunter viele aus dem Aichacher Raum, einige auch namentlich bekannt. Sie ließen sich entweder in der Stadt oder die meisten von ihnen in den östlich der Isar liegenden Randgemeinden nieder - viele in Notquartieren, wenige in normalen Häusern.

Bei etwa 20000 Einwohnern wurde die Situation in der Residenzstadt sehr prekär. Denn dort mussten neben den Flüchtlingen auch noch 3000 Soldaten versorgt werden.

Ende Mai wurde über Unreinlichkeit, Proviantmangel und Teuerung geklagt und die Regierung musste Maßnahmen ergreifen. Da die Appelle zur Rückkehr wenig Erfolg zeigten, wurden Umsiedlungen in den Raum östlich des Inns durchgeführt. Es wurde auch die Rückkehr nach Westen unter Begleitung von Soldaten zum Schutz der Flüchtlinge angeordnet.

Die Referentin vermutet, dass nicht alle geflohenen Aichacher nach dem Friedensschluss wieder zurückkehrten  - entweder aus Angst vor der weiteren Unsicherheit oder weil sie zu Hause alles verloren hatten.
Wolfgang Brandner, Vorsitzender des Heimatvereins, leitete anschließend eine rege Diskussion und bedankte sich bei Franziska Sedlmair.

(Quelle: Aichacher Nachrichten vom 29. November 2019)

Eine Zukunft für die Vergangenheit