Rokoko-Fahrt: Ignaz Baldauf von A bis Z (Alsmoos bis Zahling)

Aichacher Heimatverein auf den Spuren des Rokoko-Freskanten

Die letzte Veranstaltung des Heimatvereins im Sommerhalbjahr war eine Landkreis-exkursion zu verschiedenen Kirchen mit Werken von  Ignaz Baldauf. Der ehemalige Kunsterzieher am Deutschherren-Gymnasium, Gottfried Hecht, führte die 50 Teilnehmer mit großer Sachkenntnis und Engagement zu den Kunstschätzen unserer Heimat.

Erste Station war die Pfarrkirche Obergriesbach, wo das Hochaltarblatt mit der Steinigung des heiligen Stephanus von Baldauf stammt. Von dort ging es weiter nach Zahling zu einem Spätwerk des Künstlers. Hier stellte er in den Deckenfresken das Leben des Kirchenpatrons Gregorius dar. Im Chor wird der Papst Gregor in seinem Arbeitszimmer gezeigt, über ihm die Taube des heiligen Geistes und Engel, an der Seite eine große Bücherwand. Das Langhausfresko hat das Gastmahl des Papstes zum Thema, bei dem nach der Legende unter den Armen der Stadt Rom als höchster Gast Christus selber erschienen sein soll. Das Fresko zeigt als immer wiederkehrendes Motiv die Rundkuppel-anlage mit den Treppenaufgängen als typische Kulisse bei Baldauf und die von braun bis violett abgetönten Mischfarben seiner Spätwerke.

Das nächste Ziel war die Kirche in Alsmoos. Hier hat Baldauf das Deckenfresko im Chor mit der Taufe Christi im Jordan durch Johannes gemalt. Die Umgebung bildet in diesem Fresko keine Architektur, sondern die freie Landschaft mit dem Fluss und einzelnen Personen, die dem Geschehen beiwohnen. Allerdings gleicht die Farbgebung der in Zahling.

Einen ersten Höhepunkt erlebten dann die Besucher in der ehemaligen Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Willprechtszell. Dort stammen im Chorraum die zwei Fresken mit den Themen Esther vor Ahasver und Abigail und David sowie die emblematischen Bilder zu Maria von Baldauf. Mit den beiden Vorbildern für Maria aus dem Alten Testament, Esther und Abigail, konnte Baldauf auch den Prunk der höfischen Welt zur Darstellung bringen.

Nach einer Kaffeepause auf dem Waglerhof in Ainertshofen und einem kurzen Blick in die dortige Kirche mit dem Altarblatt der Pieta von Baldauf stand das Hauptwerk des Künstlers in Inchenhofen, an dem er nach 1770 mehrere Jahre gearbeitet hat, im Blickpunkt. Das Leben des heiligen Leonhard von seiner Taufe bis zu seinem Tod sowie seine Verehrung in Inchenhofen bilden den Rahmen für das Monumentalgemälde, das alle Register der Darstellungskunst des Hofmalers des Fürstbischofs von Augsburg zeigt. Seinem Geburts-ort und den Zisterziensern, die ihm die Ausbildung an der Augsburger Akademie ermöglichten, widmete er dieses Werk.

Am Ende der Exkursion stand noch ein wahres Juwel der Rokokokunst unserer Heimat, das den meisten Teilnehmern der Exkursion unbekannt war, nämlich das Schatzkästlein des Holzlandes, das Kirchlein zum heiligen Alban in Lauterbach. Alban ist wohl der Kirchenpatron, aber in Wirklichkeit ist es eine Marienkirche, geweiht der Muttergottes als Trösterin der Betrübten und Heil der Kranken. Im Chor malte Baldauf wieder die Szene Abigail vor David, womit er diese Frau aus dem Alten Testament, die ihre Sippe vor dem Zorn Davids durch ihren mutigen Einsatz rettete, als Vorbild für Maria als Mittlerin in den Nöten der Menschen vorstellt. Das Hauptbild im Langhaus stellt in einer Rundkuppelszenerie, die aber zum Himmel hin geöffnet ist, an dem Maria erscheint, die Leiden der Menschen dar: Kranke, eine Mutter mit ihrem toten Kind, Krüppel, Bettler, aber auch Landleute in der heimischen Tracht und Pilger. Die religiöse Inbrunst, die in diesem Bildes zum Ausdruck kommt, machte Hecht besonders deutlich durch den Verweis auf die damalige Zeit, in der die Menschen keinerlei Absicherung ihrer Existenz kannten und die Rettung nur von oben kommen konnte.

Ein besonders erfreuliches Erlebnis war auch die Aufnahme der Exkursion durch die Mesner, der erkennbare Stolz auf die Schönheit ihrer Kirchen und deren hervorragender Erhaltungszustand. Die Exkursion, die zum gleichen Thema im letzten Jahr in den Landkreis Schrobenhausen führte, soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden nach Fürstenfeld und in den südlichen Landkreis.

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Eine Zukunft für die Vergangenheit